Einblicke in die Zeit von 816 bis 2016

December 10th, 2018

Im Jahr 1753 wurden mit Einführung einer Brandpflichtversicherung auch Brandkassen-Nummern in Wechold vergeben. „Das sind die noch heute verwendeten Hausnummern“, nachzulesen in der 888 Seiten starken Chronik über Wechold, die am letzten Wochenende im Heimatverein „Wecheln un ümto“ vorgestellt wurde. „Die Chronik stellt eine wahre Fundgrube dar und ist damit auch für die jüngere Generation ein lesenswertes Buch“, schreibt Irene Gartz Vorsitzende des Heimatvereins im Geleitwort des Herausgebers.

Es ist das Werk von Uwe Campe, der sich 2013 zunächst allein des Themas angenommen hat. Der Autor bezeichnet die erste Wecholder Chronik von 1991 als wichtige Grundlage seiner Arbeit und seiner Mitautoren Ingrid Meyer und seinem Bruder Herbert Campe „die eine wesentliche Unterstützung waren“.

„Wechold Chronik 816 – 2016“ so ist der Titel; ein Machwerk, an dem Uwe Campe und seine Mitautoren vier Jahre mit rund 10000 Arbeitsstunden gearbeitet haben. Seine Quellen war das Lagerbuch von 1583 und das zwischen 1600 und 1860 geführte Weinkaufregister.

Im Lagerbuch, eine Quelle lokaler Geschichtsforschung. Ein nach dem Aussterben des Hoyaer Grafenhauses auf Veranlassung der neuen Regenten der Herzöge Braunschweig-Lüneburg angefertigtes Verzeichnis. Alle Stelleninhaber mussten im Amt Hoya erscheinen und ihre Lage- und Besitzverhältnisse angeben. Im Weinkaufregister wurden einmalige Abgaben, zum Beispiel Hofübergaben festgehalten.

Der Ursprung des Wortes ist unklar, gemeint ist weniger das Wort „Wein“ zurück sondern vielmehr auf „Gewinn“. Alles das und viel mehr finden die Leser in den ausführlichen Begriffsbestimmungen. Einmalig beschrieben, eine Geschichtsarbeit für junge Leser zu empfehlen, ein interessantes lehrreiches Weihnachtsgeschenk.

Der jetzt vorgestellte erste Band besteht aus zwei Hauptteilen: Eine Chronologie von der Frühgeschichte bis zur Jahrtausendwende, von der Reformationszeit bis zum Dreißigjährigen Krieg. Die Welfenherrschaft bis zur Franzosenzeit, dem Königreich Hannover und Preußen, das Kaiserreich, der Erste Weltkrieg, die Weimarer Republik, der Nationalsozialismus bis zum Zweiten Weltkrieg und dann die Nachkriegszeit über die Gemeindereform bis zur Gegenwart.

Knapp 90 Seiten Geschichte über Weltereignisse bezogen auf die kleine Gemeinde Wechold. Wechold hat heute 500 Einwohner (1897 waren es 731) in 184 Häusern, eine Gesamtfläche von 786 Hektar mit 25 Gewerbetreibenden, überwiegend Handwerker.

Eine gründliche und ausführliche Beschreibung der Haus- und Hofstellen von den Nummern 1 bis 184 und Farbtafeln „Wecholder Bilderbogen“ bringen den Leser zum Anhang mit Namens- und Hausnummernverzeichnis und Nachträgen.

Wer einen ersten Blick auf das dreieinhalb schwere Exemplar wirft, ist gleich eingefangen vom Haus des Meierhofes, dessen Haus sich bis in die karolingische Zeit zurückverfolgen lässt. Eine Aufnahme um 1900, zeigt das Haupthaus von 1608.

Das Gesicht der Chronik ist eine Arbeit des Layouters Bernd Kunze aus Martfeld. Er ist gelernter Schriftsetzer und hat als Grafiker die Druckvorstufe, die Korrektur und Bilder bearbeitet. „Eineinhalb Jahre habe ich mich damit beschäftigt“, sagt Kunze der im Beruf auch Hausforscher ist. „Ich weiß sehr viel auch über Wecholder Häuser“, sagt er im Gespräch mit der Harke. „Bücher machen ist ein Stück von mir, eine Aufgabe die für mich einen großen Spaßfaktor hat“.

Uwe Campe blickt zurück und erzählt, dass zu Beginn einmal in der Woche gearbeitet wurde, die Intervalle wurden aber immer kürzer und zuletzt beinahe täglich drei bis neun Stunden. Der Autor dankt für die breite Unterstützung der Einwohner, die freiwillig ihre Fotoalben hergegeben haben. „Eine echte Gemeinschaftsarbeit“. 750 Bücher stehen in der ersten Auflage zur Verfügung, von denen am Samstag und Sonntag schon viele Interessenten „ihre Chronik“ mitgenommen haben. Seit 2012 leitet er die Sparte „Dorfchronik“ innerhalb des Heimatvereins.

Dank sagt der Heimatverein allen Sponsoren und Unterstützern. Die Hoya-Diepholzsche Landschaft war durch ihren Präsidenten Werner von Behr vertreten. Bürgermeister Johann Hustedt: „Die Chronik bietet eine Fülle an Informationen über unsere Haus- und Hofstellen. Ich möchte den Verfassern für ihre jahrelange mühevolle Arbeit danken“.

Zum originalen Artikel auf der Seite der Tageszeitung "Die Harke"